Epic Games, Hersteller des weltweit populärsten Computerspiels Fortnite, wird derzeit in den USA von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten verklagt. Der Spielehersteller soll sich an bekannten Tanz-Choreographien von ihnen bedient haben, ohne dafür Lizenzgebühren zu zahlen oder ihre Namen als Urheber der Tänze zu nennen. Doch wie stehen die Chancen der Kläger? Sind Tänze überhaupt urheberrechtlich geschützt?

Im Spiel Fortnite kann man sich per In-Game-Währung Erweiterungen für seine Spielfiguren kaufen – u.a. gehören dazu Tänze sowie rhythmische Bewegungen (Emotes), die dazu dienen, die eigene Gefühlslage zu veranschaulichen. Wegen dieser Tänze wird Epic Games nun verklagt. Kläger sind der Rapper 2 Milly, der Schauspieler Alfonso Ribeiro, der zusammen mit Will Smith in „Der Prinz von Bel-Air“ seinen Cousin Carlton gespielt hat, Social-Media-Star Russel Horning und ein Junge, der Netz als „Orange Shirt Kid“ bekannt ist. Der „Carlton-Dance“ etwa heißt bei Fortnite „Fresh“ – wohl als Anspielung auf den englischen Originaltitel „The Fresh Prince of Bel-Air“. Dass die Tanzbewegungen der Schauspieler bzw. Internetberühmtheiten und die aus dem Spiel sich offenbar sehr ähneln, zeigen Vergleichsvideos, die im Internet kursieren. Der einzige Unterschied: Die virtuellen Tänzer bewegen sich zu einer anderen Musik als die realen Menschen es bei ihren berühmten Tänzen getan haben.

Können Tanzschritte urheberrechtlich geschützt sein? Die Rechtslage in Deutschland


„Im deutschen Urheberrecht ist klar geregelt, dass auch Werke der Tanzkunst vom Urheberrecht mit umfasst sind, § 2 Nr. 3 Urheberrechtsgesetz (UrhG). Diese Vorschrift führt jedoch im Urheberrecht ein absolutes Schattendasein. Denn leider wird das Recht in der Praxis wenig beachtet und es ist immer wieder zu beobachten, dass sich bekannte Musikstars in den Choreografien und Tänzen von weniger bekannten Künstlern bedienen. Oder wie im aktuellen Fall, die Entwickler des Games Fortnite.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob auch die vermeintlich gestohlenen Tänze in diesem Fall urheberrechtlichen Schutz genießen könnten – zumindest nach der deutschen Wertung:

Um als Werk im Sinne des Urheberrechtes geschützt zu werden, setzt das Urheberrecht immer eine persönlich geistige Schöpfung voraus. Erforderlich ist eine menschlich gestalterische Schöpfungstätigkeit, die einen geistigen Inhalt sinnlich wahrnehmbar macht und in welcher sich die Individualität des Schöpfers hinreichend manifestiert. Unter „Tanz“ verstehen Juristen einen Ausdruck von Gefühlen und Gedankeninhalt mittels Körpersprache. Eine Choreografie als Ausdruck der Tanzkunst ist zumindest dann als Ganzes geschützt, wenn in dieser die individuellen Gedanken und Ideen des Choreografen zum Ausdruck kommen.

Es stellt sich jedoch auch die Frage, inwiefern einzelne Sequenzen, Schrittfolgen oder sogar Posen als schutzfähig angesehen werden können. Die Juristen sind sich einig, dass nicht jede körperliche Bewegung als choreografisches Werk urheberrechtlich schutzfähig ist. Bloße Körperbeherrschung, Artistik oder sportliche Leistungen sind vom urheberrechtlichen Tanz abzugrenzen. Eine einfache Drehung, eine Rolle über den Boden oder eine bloße Handstellung kann noch keinen urheberrechtlichen Schutz genießen. Wenn jedoch in den Bewegungen eine klare Handschrift zu erkennen ist und eine Kombination aus Bewegung, Raum, Ausdruck und Kostümierung vorliegt, so ist auch für kurze Sequenzen eine geistige Schöpfung mit individuellen Zügen anzunehmen. Dafür muss keine abgeschlossene Choreografie vorliegen. Ob die kurzen Sequenzen, die als Vorlage für Fortnite dienten, tatsächlich eine solche Schöpfungshöhe erreichen, muss ein Richter im Einzelfall bewerten.

Wer hat’s erfunden?


Auch stellt sich dann die Frage, wer den Tanz „erfunden“ hat – der Schauspieler oder etwa ein Choreograph? Denn das Urheberrecht an einem Tanz hat immer der Schöpfer, der die Tanzschritte erfunden hat. Der ausübende Künstler hingegen hat nur ein sog. Leistungsschutzrecht, das schwächer ausgeprägt ist. Anders als im deutschen Recht existiert in den USA die sog. Work-for-Hire-Doctrine. Danach kann das Urheberrecht am Werk eines Angestellten originär dem Arbeitgeber zuzuordnen sein.

Oft ist es in der Praxis letztlich streitentscheidend, dass der Urheber eines Werkes seine Urheberschaft nachweisen kann. Denn nur, wenn dem Urheber der Beweis der Urheberschaft gelingt und ein Nachweis gelingt, dass das Werk vor einem anderen geschaffen wurde, kann er seine Rechte aus § 97 UrhG bei einem Verstoß gegen sein Urheberrecht effektiv durchsetzen. Hier müssten die Tänzer Aufzeichnungen, Videos, Zeugen etc. vorbringen können, um die Urheberschaft beweisen zu können.“

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Ein Nutzer hatte uns bereits vor einigen Wochen die Frage gestellt: „Kann ein Rapper Fortnite wegen vermeintlich geklauter Tänze verklagen?“ RA Christian Solmecke beantwortet u.a. diese spannende Nutzerfrage.


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Original by Rechtsanwalt Christian Solmecke