Der BGH entscheidet am 21. Februar 2019 darüber, ob und inwieweit YouTube verpflichtet ist, Nutzerdaten bei Urheberrechtsverletzungen herauszugeben.


2013 und 2014 hatten drei Nutzer der Video-Plattform die Filme „Parker“ und „Scary Movie 5“ illegal hochgeladen und unter einem Pseudonym veröffentlicht. Daraufhin verlangte die Filmverwertungsfirma, die die ausschließlichen Nutzungsrechte an den Filmen besitzt, bei YouTube die Herausgabe der Nutzerdaten. Da allerdings weder der Klarname, noch die Postanschrift der Nutzer bekannt war, forderte die Verwertungsfirma Auskunft über die Email-Adressen, Telefonnummern und IP-Adressen der jeweiligen Nutzer, um gegen diese vorgehen zu können.

OLG Frankfurt: Auch Email-Adressen sind Anschrift


Die Verwertungsfirma stützte sich hierbei auf § 101 Urhebergesetz (UrhG), wonach der Geschädigte bei Urheberrechtsverletzungen auch von Plattformbetreibern die Daten der Person, die den Inhalt hochgeladen hat, herausverlangen kann. Nachdem der Anspruch in erster Instanz noch abgewiesen wurde, gab das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) als Berufungsinstanz der Klage zum Teil statt. Das Berufungsgericht verurteilte YouTube zur Auskunft über die Email-Adressen der Nutzer, die die Filme hochgeladen hatten.

Das OLG nahm eine offensichtliche Urheberrechtsverletzung an, sodass die Google-Tochter nach § 101 Absatz 3 Nr. 1 UrhG Auskunft über Namen und Anschrift der Nutzer schulde. Unklarheit herrschte jedoch darüber, ob die von der Verwertungsfirma begehrten Daten überhaupt unter den Begriff „Anschrift“ fallen. Die Richter waren der Ansicht, dass auch eine Email-Adresse eine „Anschrift“ im Sinne der Norm sei und sie somit unter den Auskunftsanspruch falle, denn sie gebe den Ort an, an dem man jemanden anschreiben könne. Zwar werde unter einer Anschrift überwiegend die Postanschrift einer Person verstanden, allerdings sei dies nur historisch begründet. Als die Norm 1990 eingeführt wurde, habe der Email-Verkehr praktisch noch kaum Bedeutung gehabt. Mit zunehmender Digitalisierung des Alltags könne sich jedoch auch der Sinngehalt altbekannter Begrifflichkeiten verändern. Das OLG stellte deshalb fest, dass es sich auch bei einer Email-Adresse um eine Angabe handele, „wohin man schreiben muss, damit das Geschriebene den Empfänger erreicht“.

IP-Adressen dienen nicht der Kommunikation


Allerdings verurteilte das OLG YouTube nur zur Auskunft über die Email-Adresse, nicht aber zur Herausgabe von Telefonnummer und IP-Adresse. Den Richtern zufolge verkörperten Anschrift und Telefonnummer nach dem allgemeinen Sprachgebrauch unterschiedliche Kontaktdaten. Auch IP-Adressen seien nicht unter „Anschrift“ zu fassen, obwohl sie den Wortbestandteil „Adresse“ enthielten, denn ihnen komme keinerlei Kommunikationsfunktion zu. Sie habe allein den Zweck, einzelne Endgeräte zu identifizieren.

BGH-Urteil könnte Verfolgung von Urheberrechtsverstößen erleichtern


Sowohl Klägerin als auch Beklagte haben gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt. Doch Während die Verwertungsfirma weiterhin auch die Telefonnummern und IP-Adressen der Nutzer erfahren möchte, will YouTube nach wie vor nicht einmal die Email-Adressen herausgeben. Der BGH wird also in seinem Urteil die Frage klären, was unter den „Anschrift“-Begriff aus § 101 UrhG fällt und sich zudem damit beschäftigen, ob sich der von der Klägerin begehrte Auskunftsanspruch möglicherweise auch aus anderen Normen ergeben kann.

Wir werden berichten.

fho



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Original by Rechtsanwalt Christian Solmecke